Es liegt was in der Luft…

Seit Mitte Dezember laufen zwei Postulate, beide den Eintrag eines dritten Geschlechts im Personenstandsregister betreffend, sowie eine Interpellation betreffend Kinderschutz, Statistiken und Informationen für das medizinische Personal und die Eltern in Bezug auf intersexuelle Personen. Am 14.2.18 hat der Bundesrat die beiden Postulate zur Annahme empfohlen. Gut so, ein Schritt in die richtige Richtung, aber…..

Wie stehen die Chancen in den Räten? Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Postulat von Rebecca Ruiz (SP) die grössere Chance hat. Es zielt direkt auf neugeborene Inter* Menschen während dasjenige von Sibel Arslan (Grüne) sich allgemein auf Personen bezieht, die sich nicht in das binäre Geschlechtssystem einordnen lassen oder einordnen lassen wollen, respektive die Frage aufwirft, wie es wohl wäre gänzlich auf Geschlechtseinträge zu verzichten. Sicher ist, beide Postulate werden die Genderdebatte so richtig anheizen, nicht nur in den Räten, auch in der Community und hoffentlich auch in der Gesellschaft.

Für die Inter* Community wäre ein neutraler Geschlechtseintrag bei Neugeborenen extrem wichtig. Der Druck von geschlechtsanpassenden Operationen um innerhalb von 72 Stunden einen Geschlechtseintrag in die Geburtsurkunde vornehmen zu können würde wegfallen, es sei denn die medizinische Fraktion würde plötzlich überall eine medizinische Notwendigkeit finden. Was aber wäre mir Inter* Menschen, bei denen nicht schon bei Geburt festgestellt wird, dass sie inter sind? Was mit Genderqueer/non-binary/Bigender/Agender/Pangender Menschen? Was mit Trans*, brauchen auch die einen neutralen Geschlechtseintrag?

Let’s face it, Trans ist in aller Munde, jeder Politiker kann das Wort zumindest buchstabieren. SRF widmete der Thematik unlängst eine ganze Woche. In der Community hat Trans, TGNS sei Dank, einen zumindest weitgehend etablierten Stellenwert. Inter wird erst langsam bekannter und alle Buchstaben jenseits von LGBT(I) sind bloss Insidern bekannt. Wie überfordert also sind Gesellschaft, Politik und auch Community mit all den Geschlechtsvariationen?

Wir erinnern uns an den SRF Club vom 30.1.18 ‚Das Geschlecht: eine Frage der Entscheidung‘, miserabel moderiert, den Eindruck vermittelnd, nur Transmenschen hätten ein Problem mit ihrem Geschlecht.

Die Pride in Bern, ohne Plattform für Inter* trotz entsprechender Anfrage.

Die Pride in Lugano, notabene Gay Pride genannt, die LGBT Community einladend und vergessend wie vielfältig der Regenbogen aber ist (Ja, ich weiss, im Text steht ‚Damit der Reichtum der Vielfalt allen bewusst wird‘).

Für Zündstoff ist gesorgt auf allen Ebenen und wir dürfen gespannt sein wie lange die Lunte brennt bis das Fass explodiert…

 

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